Grundkurs Geographie im III. Semester 1996 - Klima Brasiliens


Seit einem Jahr werden am Gymnasium Ohmoor fast täglich Umweltbeobachtungsdaten und im Internet über das GLOBE-Projekt mit anderen Schulen ausgetauscht. Insgesamt 3000 Schulen werden weltweit nach dem gleichen Standart Wetter-, Boden und Gewässerdaten erfassen. Der GLOBE-Rechner in Colorado / USA errechnet daraus am gleichen Tag ein entsprechendes Abbild der Erde. Das Internet als verbindendes Element soll den Schülern helfen, ein Bewußtsein über unsere Umweltbedingungen und deren Veränderungen zu entwickeln. Parallel stehen auch wissenschaftlich erhobenes Material, z.B. von der NASA zur Verfügung. Für Geographie-Unterrichtsstunden wurde daraus folgendes Aufgabenblatt zusammengestellt. Die Karten sind im Original farbig und wurden in kopierbare sw-Abbildungen ungewandelt.


Arbeitsblatt: Klimageographie Brasiliens

Ziele:
Entwicklungsprobleme in Brasiliens resultieren auch aus den großen regionalen Disparitäten des Landes: "reicher Süden", "verarmter Nordosten", "bedrohter Binnenraum im Nordwesten" sind hier wichtige Stichworte. Historische Entwicklung und geoökologische Differenzierungen müssen als Vorraussetzung zum Verständnis der Veränderungen analysiert werden. Ziel diese Arbeitsblattes ist es, die grundlegenden Klimastrukturen des Landes zu erkennen um Entwicklungsprobleme verstehen zu lernen.

Methodisches:
Es bietet sich an, die "statischen" Klimakarten des Schulatlas mit dem dynamischen auf den GLOBE-Tafeln abgebildeten Wettergeschehen zu vergleichen. Eigene "Klima"karten können abgeleitet werden.

Vorraussetzungen:
Die Schülerinnen und Schüler sollten die Grundstrukturen des tropischen ITC/Passat-Systems mit den Klimazonen vollhumide, semihumide, semiaride Tropen sowie aride Tropen/Subtropen kennen.

Vorraussetzungen:
Die Schülerinnen und Schüler sollten die Grundstrukturen des tropischen ITC/Passat-Systems mit den Klimazonen vollhumide, semihumide, semiaride Tropen sowie aride Tropen/Subtropen kennen.


Aufgaben:
Folgende Ansichten Südamerikas wurden vom GLOBE - Data - Server am 9. August 1996 moduliert. Die im Original farbigen Karten zeigen den Kontinent mit der maximalen Lufttemperatur, der Niederschlagsmenge und dem Oberflächenrückstrahlungsvermögen (Albedo) an d i e s e m Tag.
Aufgabe 1.
Vergleichen Sie die Strukturen mit den Klimakarten auf Seite 208, 210 und 220 im Diercke-Atlas. Erklären Sie folgende Einzelheiten:
Abb. 1: Die Temperaturverhältnisse im Inneren, im Süden Brasiliens sowie im Ostpazifik /T1 bis T3)
Abb. 2: Die momentane Lage der Regengebiete nördlich von Brasilien, an der Nordostküste und im Süden (R1 bis R3)
Abb. 3: Die niedrige Rückstrahlung der Oberfläche in Amazonien und die hohen Werte des Nordostens (A1, A2)
Aufgabe 2.
Entwerfen Sie eine schematisierte Klimaskizze Brasiliens mit 5 verschiedenen Gebieten nach diesen Abbildungen.


Die Abbildungen:  GLOBE / Klima Brasilien


Ergebnisse:

Abb. 1:
Ähnlich der Karte 2 im Atlas (Diercke S. 208) zeigt die Oberfläche im Verbreitungsgebiet des tropischen Regenwaldes die höchsten Oberflächentemperaturen (Werte bis 40° C). Mit dem Zentrum und dem Westen bedeckt diese Fläche zwei Drittel des Landes (T2).
Im Süden Brasiliens wurden dagegen nur "gemäßigte" Tageshöchstwerte von 20°C erreicht (T3).
Im Bereich von T1 findet sich eine etwas kältere Wasseroberfläche. Sie muß im Vergleich zur Klimakarte auf Seite 220 als kalte Meeresströmung, dem Humbolt-Strom, gedeutet werden. Er hat seinen Ursprung in der Antarktis und verläuft, wie Abb. 1 zeigt küstenparallel von Süd nach Nord um in der Nähe des Äquators nach westen abzubiegen.

Abb. 2:
Die innertropische Konvergenzzone (ITC, Atlas S. 208/2)) verläuft jetzt im Nordsommer nördlich des Äquators. Die Regenwaldgebiete durchlaufen also eine kurze Trockenzeit, bevor das Regenband die Gebiete in ein paar Wochen wieder bedecken wird. Die geringe Bewölkung erklärt das zur Zeit hohe Temperaturniveau der inneren Tropen.
Auch an der Nordostküste gab es am 9.8.96 Niederschläge (R1). Der Südostpassat entwickelt hier gelegentlich Steigungsregen. Die Atlaskarten Nr. 3 und 4, S. 208 deuten dieses Phänomen an.
Im Süden Brasiliens muß sich gerade ein aussertropisches Teifdruckgebiet abgeregnet haben. Von Süden heranziehend brachte es die für Südbrasilien typischen Kaltluftvorstöße (s. Atlas S. 208/1,2,4) mit Regenfällen.

Abb. 3:
Die niedrige Rückstrahlung der Oberfläche in Amazonien ist eine Folge der Waldbedeckung. Die Blattoberflächen nehmen sehr viel Sonnenstrahlung zur Assimilation bzw. zur Wasserverdunstung auf. Zur Abgrenzung der immergrünen Regenwaldgebiete scheint diese Abbildung besser geeignet als Abb. 1.
Auffällig ist die hohe Rückstrahlung der Fläche A2, dem Nordosten Brasiliens. Die Vegetationsbedeckung dieses Trockengebietes ist gering und die Reflektion des Lichtes entsprechend hoch. Weil die Albedo so hoch ist wie die der noch am Rand von Abb. 3 erkennbaren Sahara muß angenommen werden, daß hier zur Zeit eine Dürre herrscht. Die ungeöhnliche, relativ äquatornahe Lage dieses Gebietes läßt sich nur in Zusammenhang mit dem unter T1 angedeuteten Humboldstrom (steuert das El-Nino Ereignis), und der Lage der mit R2 gekennzeichneten ITC verstehen. Schwächt sich das den Humbolt-Strom antreibende Hoch über dem Südpazifik ab, so verstärkt sich das Südatlantik-Hoch. Der von Afrika kommnende Benguelastrom reicht dann bis Brasilien und ermöglicht die auf der Atlaskarte 4, S. 208 angedeutete Walker Zirkulation. Das sich so über dem Nordosten etablierende Hoch bewirkt die Wendekreis-typische Trockenheit. Nach Abb. 1 besteht das El-Nino-Ereignis zur Zeit aber nicht.